HSG NIENBURG | Meerbachspatzen

Helge Nußbaum
Der "Meerbachspatzen"-Meistersommer - Arnar Gudmundsson

Arnar Gudmundsson ist die Spaßkanone der HSG

Dieser Sommer hat für Arnar Gudmundsson einiges an Feierlichkeiten zu bieten - und wie man richtig feiert, das weiß eigentlich niemand besser als der Isländer im Meisterteam der HSG Nienburg. Mitte Mai wurde er 31 Jahre alt, zwei Wochen später wurde er zum zweiten Mal Oberliga-Meister und zu guter Letzt feiert er demnächst sein zehnjähriges Dienstjubiläum bei den "Meerbachspatzen".

Als 20-jähriger kam der Isländer aus der dortigen 1.Liga nach Nienburg und spielt seit Sommer 2012 für die HSG in der Oberliga. "Ich erinnere mich noch, dass ich meinen 21.Geburtstag schon hier in Nienburg gefeiert habe. Wahnsinn, dass das schon so lange her ist", sagt Gudmundsson im HARKE-Gespräch.

In diesem Jahrzehnt hat der immer gut gelaunte Skandinavier einige Höhen und Tiefen miterlebt. Nach seiner Verpflichtung titelte DIE HARKE: "Nach dem Letten kommt ein Isländer". Zehn Jahre später hat nun Gudmundsson die Nase vor seinem lettischen Mannschaftskameraden und einstigen WG-Partner Kristaps Ence - Ence folgt im nächsten HARKE-Special am kommenden Freitag.

Gut zwei Jahre wohnten die beiden Zugänge damals zusammen in einer Wohngemeinschaft in Heemsen. Die Verständigung untereinander war zu Beginn gar nicht so einfach, meistens kommunizierten sie auf Englisch. Dabei spricht Gudmundsson neben seiner Landessprache mittlerweile mit Deutsch, Italienisch und Englisch drei weitere Sprachen fließend. "Mein Deutsch war damals noch nicht ganz so gut wie heute, doch das hätte mir bei Kristaps zu der Zeit ja auch nichts genützt", lacht der Linkshänder.

Sein Talent für Sprachen ist jedoch ganz einfach zu erklären: Arnar Gudmundsson ist der Sohn von Islands Handball-Rekordnationalspieler Gudmundur Hrafnkelsson. 407 Länderspiele absolvierte er im Tor seines Heimatlandes und spielte zu seiner aktiven Zeit in Deutschland für die HSG Nordhorn (1999 bis 2001) und die SG Kronau/Östringen (2003 bis 2005) und in Italien für Papillon Conversano (2001 bis 2003). Immer mit dabei war die Familie und natürlich der kleine Arnar, der in Deutschland sowie in Italien zur Schule ging und mit dem Handball im Gepäck aufgewachsen ist.

Bei seiner Ankunft bei der HSG Nienburg war Gudmundsson erst einmal verwundert - "nur" drei Mal in der Woche stand Training beim damaligen Coach Claas Wittenberg auf dem Programm. "Das kannte ich überhaupt nicht, in Island haben wir jeden Tag trainiert. Ich konnte mich da aber relativ schnell und gut anpassen", erzählt der 31-jährige Rückraumrechte mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Aus dem damals schlaksigen 21-Jährigen ist mittlerweile eine regelrechte Abwehrkante geworden und HSG-Meistercoach Carsten Thomas ist sich sicher: "Handballerisch haben wir keinen Besseren in unserem Team als Arnar. Er kann aber nicht nur mit dem Handball perfekt umgehen, er hat einfach Talent für jede Ballsportart, das sieht man sofort."

Dem Isländer machten in den vergangenen Jahren jedoch vermehrt Verletzungen zu schaffen. Erst war es das linke Knie, nun ist es schon seit längerer Zeit die linke Schulter, zudem ist er bei seinem Arbeitgeber Wöltjen in einem Montageteam, das deutschlandweit unterwegs ist und war zuletzt ständig beruflich eingespannt.

Thomas: "Ich würde Arnar gern noch einmal bei 90 Prozent seiner Leistungsfähigkeit sehen, dann wäre er für die dritte Liga ein Garant für uns. Nach den sechs Monaten auf Montage hat sich Arnar wieder gut ins Team gekämpft und war in der zweiten Saisonhälfte gerade in der Abwehr extrem wichtig. Auch in der Offensive macht er selten bis nie Fehler und seine Schlagwürfe sorgen immer für Gefahr. Ich kann ihn jederzeit bringen."

Gudmundsson weiß um seine leichten Problemzönchen, will die Sommervorbereitung bestmöglich durchziehen, um eine gewisse Grundfitness aufzubauen. Sören Fennekoldt, der ab der kommenden Saison als Fitness- und Athletiktrainer bei der HSG fungieren wird, arbeitet auch für Gudmundsson einen passenden Trainingsplan aus. "Meine Schulter wird wahrscheinlich nie wieder bei 100 Prozent sein, aber ich habe schon mit Sören über gewisse Übungen gesprochen", sagt der "Iceman".

Gudmundsson ist einer der wenigen Spieler im jetzigen HSG-Kader, der schon bei der ersten Meisterschaft im Jahr 2015 dabei war. Einen Vergleich möchte die isländische Humorbombe jedoch ungern ziehen, wagt sich dann nach erneuter Nachfrage doch heran: "Es ist wirklich schwierig zu vergleichen. Damals hatten wir viele erfahrene Spieler an Bord, jetzt sind wir eine junge Mannschaft, mit viel Entwicklungspotenzial."

Mit beiden Teams habe er gern auf der Platte gestanden und mit seinen Mannschaftskollegen in Nienburg immer viel Spaß gehabt. "In der Meistermannschaft von 2015 hatte ich noch eine ganz andere Rolle als jetzt. Damals war ich Stammspieler, stand mehr im Vordergrund. Heute komme ich eher von der Bank, aber auch diese Aufgabe fülle ich sehr gern aus. Man muss auch für sich selbst einordnen können, wie und wo man für das Team am wichtigsten ist."

Mit diesem Satz bringt der 31-Jährige seine positive Grundeinstellung zum Vorschein, die auch sein Trainer, seine Mitspieler und im Prinzip die ganze rot-schwarze Gemeinde an ihm lieben. Thomas: "Jeder mag Arnar. Er ist unsere Stimmungskanone. Ich habe ihn noch nie sauer erlebt, obwohl er natürlich auf der Platte weiß, wann er mal beherzt zupacken muss. Er ist einfach ein herzensguter Mensch." Hört man sich in der Mannschaft um, wird man nie ein schlechtes Wort über den Isländer zutage fördern - alle lieben Arnar.

Diese Komplimente gibt der nach Keeper Christopher Fraj, der seine Laufbahn beendete, zusammen mit Kristaps Ence dienstälteste Spieler der HSG-Meistermannschaft, gerne zurück: "Nienburg ist meine zweite Heimat geworden. Ich habe hier Freunde fürs Leben gefunden und möchte noch ein paar Erfolge mit ihnen feiern."

Für Gudmundsson war im Meisterjahr gerade das Rückspiel gegen die SG VTB/Altjührden Ende April das Highlight der Saison. Nach dem 28:27-Sieg habe er wirklich an die Meisterschaft geglaubt. "Die Stimmung in der Halle war richtig gut und wir sind als Mannschaft über uns hinausgewachsen", sagt der Isländer, der in dieser Partie drei Tore zum Erfolg beisteuerte, rückblickend. Die Chancen auf den Klassenerhalt in der 3.Liga schätzt Gudmundsson hingegen realistisch ein: "Es muss allen klar sein, dass dort ganz andere Kaliber auf uns warten. Da kann man auch mal mit zehn Toren verlieren - das wird eine anspruchsvolle Saison für uns. Aber wer weiß, unsere junge Garde um Finn Kühlcke, Paul Hildebrandt oder Bjarne Niemeyer hat noch reichlich Entwicklungspotenzial, denen ist vieles zuzutrauen."

Sollte dem Isländer mit der HSG in seiner Jubiläumssaison der Klassenerhalt in der dritthöchsten deutschen Spielklasse glücken, dann macht die rot-schwarze Fangemeide ihren Arnar Gudmundsson schlussendlich noch zu "Nienburgsson" - zu wünschen wäre es ihm, dem Arnar, den alle lieben.


Textquelle: "Die Harke"

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