HSG NIENBURG | Meerbachspatzen

Philipp Keßler
Der "Meerbachspatzen"-Meistersommer - Christopher Fraj, Matthias Ende und Ludwig Meierhans

Drei Keeper, drei Erfolgsgaranten

Christopher Fraj, der Oldie, Matthias Ende, der Schnelle und Ludwig Meierhans, der Nimmersatt, bildeten ein kongeniales Torhüter-Trio.

Eine klare Nummer eins gab es im Vorfeld der Meistersaison nicht. Routinier "Birne" Fraj ließ bereitwillig seine jüngeren Kollegen vortreten, Matthias Ende machte manches Mal der Beruf einen Strich durch die Rechnung, aber auch Youngster Ludwig Meierhans musste hier und da verletzungsbedingt etwas kürzertreten.

Es trat also genau das ein, was HSG-Coach Carsten Thomas im Saisonvorfeld gesagt hatte: "Alle drei ergänzen sich hervorragend, und wenn einer mal ausfällt, haben wir nahezu keinen Leistungsabfall." Genau so sollte es passieren: Ob mit drei oder nur zwei Keepern im Kader, die Nienburger waren allzeit gut aufgestellt und mussten sich um ihren Posten zwischen den Pfosten keine Sorgen machen. Ob "Birne", "Matze" oder "Ulli", einer hielt die wichtigen Dinger schon.

Zweiter Titel zum Abschied

Auch wenn Christopher Fraj insgesamt betrachtet wohl am wenigsten Spielzeit erhielt, trug er ebenso seinen Anteil zur Meisterschaft bei - seinem zweiten Oberliga-Titel wohlgemerkt. "Er hat sich nicht in den Vordergrund gestellt und hat dennoch wahnsinnig gut abgeliefert, als wir ihn gebraucht haben", betont Coach Thomas. Der 38-jährige absolvierte zeitgleich sein letztes Jahr im HSG-Dress, wurde nach dem letzten Saisonspiel in der Meerbachhalle gebührend verabschiedet, hält sich jedoch für Aushilfseinsätze fit. "Ich hoffe, dass ich ein paar Spiele machen und dem Team damit helfen kann", sagt er.

13 Jahre war "Birne" Fraj im Dienst der Weserstädter, obwohl er eigentlich aus Garbsen kommt und bei der HSG Langenhagen das Spielen lernte. Mit dem Landkreis Nienburg verbindet ihn ausschließlich der Handball. "In Langenhagen war man mit einem dritten Platz am Saisonende völlig zufrieden, und ich wollte mich einmal in einer Klasse höher versuchen. Die Nienburger habe ich immer als tolle Mannschaft empfunden und mich daher zum Wechsel an die Weser entschieden", erinnert er sich, "das habe ich nie bereut."

Neue Adresse, bekannte Liga

Auch Matthias "Matze" Ende kann sich kaum vorstellen, bei einem anderen Team zu spielen. Der Polizist wohnt aktuell in Hannover, stammt ursprünglich aus Lemgo und landete im Rahmen seines Studiums in Nienburg. "Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich auf die Karriere zu konzentrieren, und wollte sportlich kürzertreten, doch schon nach wenigen Monaten habe ich mich hier bei der HSG vorgestellt und bin sofort heimisch geworden." Der 28-jährige kommt aus der Handball-Schule des Bundesligisten TBV. Dort durchschritt er sämtliche Jugendklassen bis hin zur Zweitvertretung, mit der er sogar in der dritten Liga auflief - die neue sportliche Heimat der HSG Nienburg ist ihm also durchaus bekannt. "Es ist natürlich eine andere Staffel und seitdem sind ein paar Jahre vergangenen, aber ich freue mich sehr, wieder in der dritten Liga zu spielen. Es wird definitiv hart, der Klassenerhalt wird einem nicht geschenkt."

HSG-Coach Thomas hebt hervor, dass "Matze" künftig der Torhüter sei, der als der Älteste vorangehen muss. "Er ist technisch stark, bringt viel Tempo ins Spiel und ist niemals satt - er will immer mehr. Nun wird etwas mehr Verantwortung auf ihn zukommen", sagt Thomas. "Ich war noch nie der Älteste und bin gespannt, wie sich das entwickelt", grinst Ende.

Plötzlich ein "Ulli"

Egal, ob Knieverletzung oder eine gebrochene Nase, Ludwig Meierhans ist kaum zu stoppen. Der dritte und jüngste Keeper im Bunde, der am 1. September seinen 21. Geburtstag feiert, steht seinen beiden Kompagnons in Sachen Eigenmotivation in nichts nach und ist auch von Verletzungen kaum zu bremsen. "Ludwig ist immer bei 120 Prozent, gibt niemals auf, will immer mehr lernen. Man muss ihn manchmal schon fast vor sich selbst schützen", fasst Thomas lobend zusammen. Auch Meierhans selbst sagt: "Meine größte Stärke ist mein Ehrgeiz." Und seine Schwächen? "Alles! Ob im Stellungsspiel oder im Ecken-Zumachen, ich kann überall noch besser werden", sagt er selbstkritisch. Daher ist sich sein Trainer auch sicher, dass sich sein junger Schlussmann in der dritten Liga noch einmal ordentlich steigern wird. "Dort kann er brutal viel lernen."

Meierhans, der Älteste von vier Geschwistern, wohnt in Ochtmannien bei Bruchhausen-Vilsen. Sein Vater ist Landwirt und vergleicht den Heimatort, wenn jemand nach dessen Größe fragt, gern mit dem Dodenhof in Posthausen. Ludwigs Sportlerlaufbahn begann zunächst beim Fußball, auch dort stand er meist im Tor. "Das hat mir jedoch nie so viel Spaß bereitet, wie Handball", verrät er.

Aus der Bruchhäuser Handball-Schule

Ab der E-Jugend war er Teil der HSG Bruchhausen-Vilsen. Im ersten B-Jugendjahr lief er mit Zweitspielrecht erstmals für die Nienburger auf, wechselte anschließend komplett in den Nachwuchs der "Meerbachspatzen". "Hier habe ich Freunde fürs Leben gefunden. Das war wirklich die beste Entscheidung überhaupt", stellt er klar. Künftig gemeinsam mit Kumpel und Teamkamerad Bjarne Niemeyer, mit dem er bereits seit zehn Jahren sehr gut befreundet ist, in der dritten Liga auflaufen zu dürfen, sei "einfach mega." Meierhans ist optimistisch: "Letzten Sommer habe ich die Meisterschaft vorhergesagt, jetzt bin ich guter Dinge, dass wir den Klassenerhalt packen", grinst "Ulli".

Seinen Spitznamen hat er übrigens während eines Trainingslagers verpasst bekommen. "Ich saß am Bierkasten und Steve Kählke rief mir stumpf zu, 'Ey Ulli, mach mir mal ein Bier auf!'. Seitdem bin ich der Ulli."


Textquelle: "Die Harke"

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