HSG NIENBURG | Meerbachspatzen

Philipp Keßler
Der "Meerbachspatzen"-Meistersommer - Finn Kühlcke

Ein Flummi für die Zukunft

In der Sprache des Berufslebens würde man Finn Kühlcke wohl als Quereinsteiger bezeichnen. Zum Handball kam der junge Rückraum-Rechte der HSG Nienburg nämlich erst mit 14 Jahren, spielte zuvor Volleyball und Fußball. Aber vermutlich wäre der 22-Jährige auch im Einradhockey ziemlich gut, denn er ist ein sportliches Naturtalent.

2019/20 hatte er für die Nienburger Reserve 145 Tore erzielt und hätte sie damit vermutlich in der Verbandsliga gehalten, wäre die Saison nicht coronabedingt abgebrochen worden. Nun absolvierte der Youngster sein erstes vollständiges Oberliga-Jahr und rockte dort ebenfalls auf Anhieb die Nordsee-Staffel.

Zieht man die Siebenmeter-Treffer bei den Toptorjägern der zurückliegenden Oberliga-Saison ab, dann steht weder Elsfleths Florian Doormann noch Nienburgs Steve Kählke ganz vorn, sondern: Finn Kühlcke. All seine 123 Buden erzielte der junge Linkshänder aus dem Spiel heraus. "Das freut mich wirklich sehr, und überrascht mich selbst ein wenig", bleibt der Leistungsträger bescheiden.

Er berichtet davon, wie lang und intensiv die Saison gewesen sei, wie die vielen englischen Wochen an den Kräften gezehrt hätten, das Aufstiegsziel ihn und das Team jedoch immer weiter gepusht habe. "Es gab seit der Vorbereitung im vergangenen Jahr kaum eine richtige Pause, wir haben uns immer fit gehalten, viel getestet und uns am Ende für den Einsatz belohnt", sagt Kühlcke.

Seine Volleyballkarriere hatte der Nienburger bereits gestartet, gehörte dem Nachwuchsteam der VSG Hannover an und nahm an Deutschen Meisterschaften teil. "Volleyball habe ich quasi von der ersten bis zur zehnten Klasse gespielt, Fußball war auch stets ein Thema, aber bei Weitem nicht so ein großes." Dann nahmen ihn 2014 ein paar Klassenkameraden mit zur HSG - erstmals packte Finn Kühlcke den Handball an.

"Das hat mir sehr schnell viel Freude bereitet und letztlich hat es mir mehr Spaß bereitet als Volley- oder Fußball." Der Weg führte den Blondschopf sogar für ein Jahr in die Bundesliga-Jugend von GWD Minden. Dort wurde er in der Vorbereitung schnell Stammkraft, erhielt im Laufe der Saison jedoch deutlich weniger Spielzeit. "Man hat dann eben doch gemerkt, dass viele der anderen Jungs schon deutlich länger dabei sind, aber ich habe viel Erfahrung gesammelt und die Zeit hat mir extrem viel Spaß gemacht", erinnert er sich heute.

Seine beiden Brüder Lars und Jörn sind ebenfalls Vollblutsportler, spielen hauptsächlich Fußball. Die sportlichen Gene haben sie offenkundig von ihrem Vater Carsten geerbt, der speziell als genialer Tischtennis-Spieler bekannt ist oder auch dem Gründerteam des Nienburger Spargellaufes angehörte.

Vater Kühlcke: "Ich war schon immer von sämtlichen Sportarten fasziniert und habe die Drei bereits in jungen Jahren immer wieder mitgenommen." Nur von seiner Paradesportart, dem Tischtennis, konnte er sie offenbar nicht so wirklich überzeugen. "Das stört mich überhaupt nicht. Ich freue mich, wenn ich ihnen beim Handball oder Fußball zuschauen kann - erst durch Finn bin ich zum Handball gekommen, mit dem ich vorher eher wenig am Hut hatte." Erst vor Kurzem war nahezu die gesamte Familie Kühlcke in Hamburg: Halbmarathon stand auf der Agenda.

Hier musste sich Finn jedoch seinen beiden Brüdern geschlagen geben, seine Zeit von 1:37 Stunden konnte sich aber mehr als sehen lassen. "Ich kam gerade von der Malle-Mannschaftsfahrt wieder und konnte mich kaum vorbereiten", versucht Kühlcke sich zu erklären - seinen sportlichen Ehrgeiz kann er einfach nicht verstecken.

Auch HSG-Trainer Carsten Thomas weiß um die Stärken seines zweiterfolgreichsten Torjägers: "Finn will immer besser werden, springt wie ein Flummi, ist schnell, hat einen guten Wurf, ist Rechtsaußen und im rechten Rückraum extrem gefährlich - so würde man sich einen Spieler malen." Er denke aber auch, dass "Finn erst bei etwa 80 Prozent seiner Leistungsfähigkeit angekommen ist. Er ist noch jung, wissbegierig, ein Arbeitstier. Ich bin mir sicher, er wird sich weiterhin steigern. Er ist ein Faustpfand für die Zukunft."

Lernwillig ist Kühlcke auch abseits des Sports: Er studiert derzeit in Hannover Architektur, wohnt in Herrenhausen, schreibt im kommenden Semester seine Bachelorarbeit, den Master möchte er direkt im Anschluss machen. "Am liebsten hätte ich ja etwas mit Sport gemacht, aber nicht Lehramt. So wurde die Auswahl aber gering und irgendwie bin ich bei Architektur gelandet. Macht aber viel Spaß", grinst Kühlcke.

Nun genießt er die wenigen Wochen Ruhe, ehe es in die Vorbereitung geht. "Ich freue mich schon sehr auf die dritte Liga, da werden mit Sicherheit einige spannende Spiele auf uns zukommen.


Textquelle: "Die Harke"

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