HSG NIENBURG | Meerbachspatzen

Syam Vogt
Der "Meerbachspatzen"-Meistersommer - Kai Bergmann

Kai Bergmann ist HSG Nienburgs Gute-Laune-Bär

Kai Bergmann ist in der Waagerechten zu Hause. Aber keinesfalls, weil der 25-jährige Kreisläufer der HSG Nienburg so viel und fast überall schlafen kann. Die passende Knautschzone bringt er mit, sagt der zerzauste Gute-Laune-Bär im HARKE-Gespräch mit einem lauten Lachen.

Auf der Platte mutiert der gemütliche Spaßvogel zum Energiebündel, reibt sich hauptsächlich in der gefährlichen Zone auf, spielt mannschaftsdienlich, blockt die Wege für seine Hintermänner frei und liegt bei seinen Abschlüssen größtenteils in der Luft.

"Kai wird von vielen unterschätzt. Er ist enorm wichtig im Angriff, hilft in der Abwehr und ist auch zu Fuß schneller, als die meisten denken", erklärt sein Coach und möglicherweise künftiger Schwiegervater Carsten Thomas. Gemeinsam mit Tochter Nele, die beim SC Germania List in der Oberliga den Ball in die Hand nimmt, wohnt der Masterabsolvent in der Landeshauptstadt, muss aufgrund einer lockeren Homeofficeregelung in der Forschung und Entwicklung bei Volkswagen meist nur einmal in der Woche nach Wolfsburg pendeln. Die Trainingstage werden dann jedoch extrem lang und der wuselige Kreisläufer ist knapp 300 Kilometer unterwegs.

Mit einer selbst angegebenen Statur von 184 Zentimetern fehlt dem Kreisläufer ein wenig Größe für den Rückraum. Dort wurde er in der Jugend beim SV Aue Liebenau immer wieder aufgestellt. Bei seinem vierjährigen dualen Studium in Braunschweig trainierte er in Diensten des SV Aue Liebenau unter der Woche bei den Drittligisten des MTV Braunschweig mit.

Dank des Trainings-Intermezzo beim MTV und unter der Leitung vom erfahrenen Coach Volker Mudrow, der als Spieler den Deutschen sowie Europapokal und als Übungsleiter mit Lemgo die Deutsche Meisterschaft sowie zwei Mal den DHB-Pokal gewann, ging die Leistungskurve noch einmal deutlich nach oben und die Ehe mit dem ovalförmigen Halbkreis und Bergmann war endgültig besiegelte Sache. Obwohl ihn seine Mitspieler auf Zeit immer mal wieder zum MTV locken wollten, ist der lebensfrohe Liebenauer stets der HSG Nienburg treu geblieben. Bergmann: "Diese geile Truppe verlässt man nicht."

Der fleißige Bergmann ist auch koordinativ eine Überraschung. Die Abläufe sind in Fleisch und Blut übergegangen: Sich Platz verschaffen, den Ball fangen, schnell drehen, die Position des Keepers antizipieren und mit exzellentem Timing und in Schräglage das Rund ins Tor befördern. Da kommt auch sein jetziger Anleiter ins Schwärmen: "Kai bringt viel Qualität mit und hat in Braunschweig richtig viel gelernt. Zudem hat er für einen Kreisläufer einen guten Wackler."

Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Der Trikotverschleiß ist bei keinem anderen Spieler so hoch wie beim "Partyanimal". Fünf Jerseys haben ihm seine Gegenspieler während der Saison zerrissen, die teilweise von Teambetreuerin Sabine Hillebrandt wieder zusammengenäht wurden. Auf der wohl zweikampfintensivsten Position geht es grob zu. Ein Grobian ist Bergmann aber keinesfalls. Super fair und stets aus Scharmützeln auf der Platte raushaltend, ist der 25-Jährige auf dem Feld eher introvertiert, will sich stetig verbessern.

Die Probleme mit seiner Achillessehne hat er in den Griff bekommen, ist einer, der eher einmal zu oft als zu wenig auf die Zähne beißt. Um am Kreis zu spielen und in der weisen Voraussicht, sich ständig schubsen zu lassen zu müssen, gehört neben ein wenig Beklopptheit auch einiges an innerer Ruhe und Selbstdisziplin, die Bergmann definitiv mitbringt. Die Schlafmütze ist ansonsten ein großer Freund von Nickerchen, überall kann er seine Augen schließen und ins Land der Träume eindringen. Doch auf den Auswärtsfahrten im Bus hat er so seine Probleme, ist nicht der beste Beifahrer.

Einen Spitznamen haben seine Kollegen nicht für ihn. Dafür dient Zweitname Uwe. Der Abschlussspieler ist nicht nur aufgrund seiner 55 Saisontore immens wichtig, räumt die Wege für seine Teamkollegen frei, leistet die ungesehene Vorarbeit für die Rückraumwürfe von Steve Kählke oder auch Finn Kühlcke. Thomas: "Auch wenn Kai mal ein paar Blinde verwirft, ist er nicht aus der Ruhe zu bringen. Er macht das dann mit sich selbst aus." Ehrgeizig geht er in jedem Training zu Werke, auch wenn es aufgrund seiner lockeren und entspannten Art nicht immer so rüberkommt.

Seine Teamkollegen wissen um seine Stärken auf und neben der Platte. Der gesellige Bergmann kommt mit allen bei der HSG gut aus, lässt keine Party aus und freut sich bei den Spielen immer auf die Leckereien von "Starköchin" Sabine Hillebrandt. Vom heiß begehrten griechischen Nudelauflauf hat er sich sogar das Rezept geholt und kocht es daheim nach. "Ganz so gut wie Sabine bekomme ich das nicht hin, aber ihre Gerichte sind immer ein Highlight."

Ein weiteres Highlight in Bergmanns Laufbahn werden die Auswärtsfahrten zu den Konkurrenten in der dritten Liga. In der neuen Spielzeit kommt es beim Duell mit dem MTV Braunschweig für ihn zum mit Spannung erwarteten sportlichen Wiedersehen mit alten Bekannten. Mit ordentlich Aufstiegseuphorie und Schwung wollen die "Meerbachspatzen" in der Liga Fuß fassen, treffen aber beispielsweise mit dem TuS Vinnhorst auf einen finanzstarken Verein, der mit Semi-Profis teils zwei Mal täglich trainiert.

Auf das Saisonziel Klassenerhalt angesprochenen bleibt er auf dem Teppich, weiß um die besondere Schwere der Aufgabe. Bergmann: "Wir müssen einen guten Start hinlegen und beweisen, dass wir mit Rückschlägen umgehen können, die hatten wir gefühlt schon ewig nicht mehr. In der dritten Liga herrscht ein ganz anderes Niveau, wir müssen über unseren Teamspirit kommen."


Textquelle: "Die Harke"

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