HSG NIENBURG | Meerbachspatzen

Helge Nußbaum
Der "Meerbachspatzen"-Meistersommer - Malte Grabisch

Noch lange kein Oldtimer: HSG-Kapitän Malte "Traktor" Grabisch

Am 1.Juni haben die Oberliga-Handballer der HSG Nienburg die Meisterschaft eingefahren. Verletzungsbedingt musste Kapitän Malte "Traktor" Grabisch das Spiel von außen verfolgen. Um ihn geht es im ersten Teil vom HARKE-Special "Der "Meerbachspatzen"-Meistersommer".

Am Tag des größten sportlichen Triumphs nur an der Seitenlinie zu stehen, ein Gefühl, das wohl jeder Mannschaftssportler gerne vermeidet. Dieses Schicksal ereilte Malte "Traktor" Grabisch - Kapitän der Handballer der HSG Nienburg - am 1 Juni, einen Tag nach seinem 33.Geburtstag. Beim entscheidenden Spiel um die Oberliga-Meisterschaft musste er verletzungsbedingt von Außen zuschauen, wie seine Mitspieler durch die Deckung des TuS Rotenburg pflügten und die Rot-Schwarzen in die 3.Liga warfen. Warum der "Traktor" noch lange kein H-Kennzeichen benötigt und wie er überhaupt zu seinem Spitznamen gekommen ist, verrät Malte Grabisch im ersten Teil vom HARKE-Special: Der "Meerbachspatzen"-Meistersommer.

Um den Stellenwert von Grabisch innerhalb des HSG-Meisterteams zu beschreiben, werden auch diese Zeilen nicht ausreichen. Seit dem Beitritt des SV Aue Liebenau im Jahr 2017 läuft Grabisch für die Rot-Schwarzen auf, fest zum Kader des Oberliga-Teams zählt er seit 2018. "Malte hat seine Karriere für den SV Aue geopfert, dass er jetzt noch einmal den Sprung in die 3.Liga geschafft hat, freut mich für ihn ganz besonders", sagt Meistertrainer Carsten Thomas, der Grabisch seit der Geburt kennt und seit etwa einem Jahrzehnt trainiert.

"Sein Vater Horst ist einer meiner besten Freunde und auf der Rückreise aus einem gemeinsamen Dänemark-Urlaub hat er die Geburt quasi höchstpersönlich eingeleitet", erzählt der Coach im HARKE-Gespräch mit einem Schmunzeln. Von Geburt an ist er mit dem Handball aufgewachsen und war mit in der Halle, wenn sein Vater Horst auf der Platte stand.

Thomas kommt aus dem Schwärmen über seinen Kapitän und verlängerten Arm auf der Platte gar nicht heraus: "Malte ist für mich der prägende Handballer im Kreis Nienburg der vergangenen zehn Jahre. Er hätte den Weg in die 3.Liga schon viel früher einschlagen können, das Potenzial hatte er, und auch die Angebote. Er hat die Verbandsliga-Torjägerkanone mehrfach mit weit über 300 Toren geholt, das ist schon außergewöhnlich. Vielleicht hätte er sogar die 2.Liga gepackt. Er kann alles: Rückraum, Kreis, Außen und beim Beachhandball gibt er auch einen passabelen Keeper ab - er ist einfach ein sehr intelligenter Handballer."

Nun fährt der "Traktor" mit seinen 33 Jahren also doch noch einmal in der 3.Liga vor. Dass er noch lange kein H-Kennzeichen benötigt und nicht nur als Oldtimer mit nach Stralsund oder vielleicht ins Erzgebirge reisen möchte, will der 33-Jährige nun noch einmal allen Außenstehenden und sich selbst beweisen. Thomas: "Malte hatte zuletzt einige körperliche Probleme und konnte aufgrund seiner Rippenverletzung im Saisonendspurt leider nicht mehr mitwirken. Er ist für mich als Ansprechpartner aber auch an der Seitenlinie sehr wichtig und kümmert sich um ganz viele andere Dinge rund um unsere Mannschaft."

Der 33-Jährige will sich über den Sommer regenerieren und in der Vorbereitung auf sein persönliches Topniveau bringen. Dafür lässt sich der "Traktor" jetzt seinen eigenen "Wartungsplan" von Kumpel und ehemaligen Mitspieler Sören Fennekoldt erstellen. Grabisch: "Ich werde mich jetzt richtig quälen, wieder ordentlich Kondition aufbauen und an meinen muskulären Problemen arbeiten. Sören wird mir einen auf mich abgestimmten Trainingsplan schreiben und dann hoffe ich, dass ich von Verletzungen verschont bleibe."

Nach einer guten Hinrunde wurde der HSG-Kapitän immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen: Zerrung in der Wade, Muskelfaserriss in der Wade, Adduktoren- sowie Leistenprobleme und in der Endphase war der Rippenbruch das i-Tüpfelchen der persönlichen Misere. "Meine Schulterprobleme habe ich wieder im Griff und meine Waden sind seit jeher meine Problemzone. Vielleicht habe ich das ein oder andere Mal auch zu früh wieder angefangen, war zu ehrgeizig und wollte einfach wieder auf die Platte. Jetzt werde ich alles für die 3.Liga geben."

Schlüsselerlebnisse der Meisterserie sind für Grabisch vor allem die beiden Partien gegen die HSG Delmenhorst: "Im Hinspiel haben wir 56 Minuten zurückgelegen und mit einem Tor gewonnen (27:26, die Red.), da habe ich schon gedacht: Wenn wir so etwas noch häufiger biegen, dann geht vielleicht was. Das Rückspiel drei Spieltage vor dem Ende war stimmungstechnisch ein Highlight, nach dem 24:21 haben wir dann alle dran geglaubt und wollten es unbedingt."

Ohnehin habe sich gerade während der Coronazeit ohne Handball viel in der Mannschaft entwickelt: "Nach fast zwei Jahren Pause waren bei uns alle richtig heiß auf Handball. Während der Coronapause haben wir, im Rahmen der Möglichkeiten, immer versucht zusammen zu trainieren und auch während dieser Saison sind wir als Mannschaft noch enger zusammengerückt - wir sind ein eingeschworener Haufen, ein richtiges Team." Die Chancen auf dem Klassenerhalt in der 3.Liga schätzt Grabisch realistisch ein: "Für uns wird es sehr, sehr schwierig. Vor allem wenn man sieht, dass die vermeintlich schwachen Teams jetzt gerade abgestiegen sind."

Nun zur Auflösung der wichtigsten Frage: Wo hat der "Traktor" seinen Spitznamen her? "Meine früheren Liebenauer Teamkollegen haben meine Spielweise immer mit der vom dänischen Nationalspieler Joachim Boldsen verglichen und dessen Spitzname ist: Traktor."


Textquelle: "Die Harke"

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