HSG NIENBURG | Meerbachspatzen

Syam Vogt
Der "Meerbachspatzen"-Meistersommer - Paul Hildebrandt

Der wissbegierige Motivator

Emotional, wissbegierig, motivierend; diese Attribute treffen alle auf den jungen Paul Hildebrandt zu. Der 22-jährige Spielmacher der HSG Nienburg ist ein waschechter Allrounder.

In der Defensive zeichnet ihn sein kompromissloses Zweikampfverhalten aus, offensiv glänzt er mit sauberen Anspielen auf seine Teamkollegen. Der Traum von der dritten Liga war für den Jungspund lange ein hochgestecktes und weit entferntes sportliches Ziel, jetzt sucht er in der dritthöchsten deutschen Handball-Spielklasse seine nächste große Herausforderung.

Heute noch im erweiterten Kader der Steimbker Landesliga-Fußballer

Mehrgleisig fuhr der Vorzeigesportler bereits im Kindesalter, startete zunächst seine Fußballlaufbahn beim SSV Rodewald und machte zudem Leichtathletik. Doch zwei Sportarten waren dem umtriebigen Energiebündel nicht genug und so folgte er als Jugendlicher seinen damaligen Klassenkameraden zum Handballtraining der HSG Nienburg. Der Spagat zwischen Handball und Fußball war stets ein anspruchsvoller, seinen Teamkollegen konnte er es eigentlich nie recht machen und so entschied er sich 2016, den Hallensport vorzuziehen.

Noch heute ist er im erweiterten Kader der Steimbker Landesliga-Fußballer, hilft aus, wenn Not am Mann ist oder es die Zeit zulässt. Durch den Mix beider Sportarten hat er jede Menge Verständnis für freie Räume. Dank seines geschulten Auges bringt er seine Mannschaftskollegen immer wieder in vielversprechende Situationen, einerseits gut, andererseits müsse er teilweise noch egoistischer handeln und selbst zum Abschluss kommen.

"Ich weiß, dass mein Wurf meine Schwäche ist und daran arbeite ich", gibt der selbstreflektierte Ballsportler im HARKE-Gespräch an. Dass in Sachen Torgefahr ein deutlich positiver Trend zu erkennen ist, zeigt die zweite Saisonhälfte, in der er immer häufiger als Torschütze avancierte. Obwohl er in der Defensive stets beherzt zupackt, ist Hildebrandt keinesfalls ein Rüpel, stoppt seiner Gegenspieler nur ganz selten auf Kosten einer Zeitstrafe, und das, obwohl es im zentralen Abwehrverbund oft heiß hergeht.

Auch dort sieht er bei sich noch Verbesserungspotenzial, will von Abwehrchef Marin Wrede gerade in Sachen Griffig- und Galligkeit noch einiges adaptieren. Zimperlich ist der beinharte Rookie jedoch keinesfalls, wollte sogar mit seinem doppelten Bänderriss beim Aufstiegsspiel gegen Rotenburg in der Meerbachhalle auflaufen. Hildebrandt: "Ich bin auf einem guten Weg, bin vor einer Woche wieder locker ins Mannschaftstraining eingestiegen."

Die Verletzung hatte ihm das letzte Heim- sowie Aufstiegsspiel gekostet und so erlebte der ehrgeizige Strippenzieher die wegweisende Partie von der Tribüne aus. "Die Fans haben uns in der gesamten Saison eine fantastische Stimmung geboten. Es war schon sehr bitter, dass ich nicht auf der Platte stehen konnte, aber zum Glück war das Spiel relativ eindeutig und ich konnte meine Nerven im Zaum halten."

Emotionalität prägt das Handballspiel von Paul Hildebrandt

Wenn er auf dem Feld steht, gibt er immer alles; lässt sich vom Publikum oder der Atmosphäre anstecken und elektrisieren. "Das ist das Geile am Handball. Ich brauche das einfach für mein Spiel. Manchmal kommt es noch vor, dass ich überdrehe, aber wenn ich im Tunnel bin und es ein emotionales Spiel ist, bin ich zehn Prozent besser." Nach den Partien ist er dann meist körperlich wie mental völlig platt.

Den Bilderbuchathleten, der neben den Handball-Einheiten zusätzlich im Fitnessstudio an sich arbeitet, zeichnet vor allem seine nicht stillbare Wissbegierde aus. "Paul ist Sportler durch und durch, will sich immer verbessern, nimmt vieles an und hat in dieser Saison bereits einen gewaltigen Schritt gemacht", sagt HSG-Trainer Carsten Thomas über seinen Mittelmann.

Bei den Unparteiischen hat der smarte Nienburger häufig Redebedarf und steht viel mit ihnen im Austausch. Er will wissen, warum sie auf Foul entschieden haben, damit er es beim nächsten Mal besser machen kann.

Der Übungsleiter schiebt nach: "Paul bringt sehr viel mit und es war absehbar, dass er ein richtig Guter wird. Mit einer derartigen Leistungssteigerung habe ich aber noch nicht gerechnet. Er lernt wirklich schnell, hat sich vor allem im Angriffsspiel gesteigert und wird von der dritten Liga nur profitieren." Trotzdem sieht Thomas - ähnlich wie bei Youngster Finn Kühlcke - auch bei Hildebrandt noch deutlich Luft nach oben. Das richtige Mindset bringt der selbstbewusste Hüne mit, ist trotz seiner Größe von 1,95 Meter sehr dynamisch und weiß ganz genau, was er will.

Hildebrandt-Durchbruch dank Zweitvertretung

Der Bauingenieur im Masterstudium profitierte vor allem von seiner Zeit bei der Zweitvertretung in der Verbandsliga. Dort war er Dreh- und Angelpunkt übernahm Verantwortung und kann seine Erfahrungen und Qualitäten nun in der Erstvertretung unter Beweis stellen. Handballerisch sowie in seiner Persönlichkeit habe er dort einen gewaltigen Satz gemacht. Hildebrandt motiviert seine Mitspieler auch, wenn er nicht auf dem Feld steht und ist ein absoluter Teamplayer. "Es ist mir egal, wenn ich wenig Tore werfe, Hauptsache wir gewinnen am Ende."

Im Bezug auf das angepeilte Saisonziel stellt Hildebrandt klar: "Alle rechnen mit dem Abstieg, alles andere wäre ein Wunder. Wir werden nie aufgeben und definitiv bis zum Schluss alles geben." Trotzdem ist er sich sicher: "Wir müssen uns schnell an die Härte und das Tempo gewöhnen. Wir werden Punkte holen und am Ende sehen, wie viele es geworden sind."


Textquelle: "Die Harke"

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