HSG NIENBURG | Meerbachspatzen

Philipp Keßler
Der "Meerbachspatzen"-Meistersommer - Steve Kählke

Immer volle Power für die HSG

Er ist Co-Kapitän. Der emotionale Leader der HSG Nienburg. Der Super-Knipser auf Halblinks. Torgarant. Siegesversicherung. Mentalitätsmonster. Feierbiest. Unverzichtbar. Und obwohl Steve Kählke viele Möglichkeiten für diverse Spitznamen bietet, ist der 30-jährige einer der wenigen im Team des Handball-Oberliga-Meisters, der gar keinen hat. Lediglich Ex-Coach Claas Wittenberg taufte Kählke für eine kurze Zeit mal "Power", doch das ward schnell wieder vergessen.

Dennoch ist keine andere Bezeichnung für den wichtigsten Baustein der Aufstiegssaison dermaßen zutreffend. Den immer wieder verletzten Kapitän Malte Grabisch vertrat Kählke in exzellenter Manier, feuerte seine Kollegen unermüdlich an und baute sich somit selbst zum stabilsten Pfeiler im HSG-Gefüge aus.

Es ist sein persönliches Topjahr: 157 Saisontore erzielte Steve Kählke, stand bei allen 24 Partien auf der Platte und kommt damit auf eine Quote von 6,54 Treffern pro Begegnung. Nur Stefan Sträche vom TuS Haren (162) und Florian Doormann vom Elsflether TB (171) netzten häufiger ein. "Egal, ob wir gegen Teams aus dem Tabellenkeller oder von ganz oben gespielt haben, Steve hat immer seine Buden gemacht", lobt HSG-Coach Carsten Thomas seinen Leader.

Dass es im Torjäger-Ranking am Ende "nur" Rang drei war, juckt den Mann mit der Rückennummer 23 jedoch überhaupt nicht. "Natürlich habe ich verfolgt, wie viele Tore die anderen erzielen, aber der dritte Platz freut mich sehr und das wichtigste war ohnehin der erste Platz für das Team", grinst Kählke. Es war obendrein die erste regulär beendete Saison, in der er bester Nienburger Torschütze war - zuvor hatte Malte Grabisch die Nase vorn. Doch der 33-jährige bestritt in dieser Spielzeit nur 20 Partien, kam dabei oft lediglich für Kurzeinsätze auf die Platte - dadurch war Kählke umso wichtiger - und er lieferte ab. Thomas: "Wir hätten durch unseren breiten Kader vieles auffangen können, aber wenn sich Steve auch noch verletzt hätte, das wäre wirklich dramatisch gewesen."

Der 157-Tore-Mann ackert auch viel abseits des Handball-Trainings, arbeitet stets an seiner Fitness und legte damit den Grundstein für seine grandiose Form. Doch das ist nur die halbe Miete. In seinen Adern fließt rot-schwarzes Blut, er spielt bei der HSG Nienburg seit deren Gründung als Jugendspielgemeinschaft zwischen dem SCB, dem ASC Nienburg und der Holtorfer SV.

Doch seine Laufbahn startete schon früher. 1997 begann die Freundschaft zwischen dem damals fünfjährigen Steve und dem runden Ball. Mutter Sybille nahm ihn mit zum Training der Minis beim SCB Langendamm, für den sie selbst aktiv im Frauenteam spielte und obendrein den Nachwuchs coachte. Trotz damit angeborener Rivalität zum SV Aue Liebenau stand Steve Kählke dessen Beitritt zur HSG offen gegenüber und moserte nicht einmal herum, als mit Grabisch arge Konkurrenz auf seiner Position ins Team stieß.

"Qualität kommt eben auch von Quälen. Steve ist immer beim Training, extrem fleißig und ein absoluter Mannschaftssportler", hebt Coach Thomas hervor. Er gehe stets voran, unterstütze auch die jüngeren Spieler und stecke sein gesamtes Umfeld mit Handball an.

Der Rückraumshooter gehört zu denjenigen im HSG-Lager, für die es bereits die zweite Oberliga-Meisterschaft ist. Im Vergleich zum Titel 2015 schätzt Kählke diesen Triumph aber etwas höher ein. "2015 war ich ja noch einer der jüngeren Spieler im Team, da hatte ich quasi meinen Durchbruch. Dieses Mal war meine Rolle eine andere, die ich aber gern angenommen habe. Daher ist diese Meisterschaft etwas ganz Besonderes für mich."

Obwohl er schnell in der Torjägerliste weit oben stand, hätten sich andere Mannschaften meist nicht maßgeblich auf ihn konzentriert. "Wir waren ja die Neuen in der Nordsee-Staffel, da ist man noch nicht so bekannt. Und außerdem haben wir ja mit Finn Kühlcke auf Rechts ebenfalls einen sehr treffsicheren Spieler - da ist es für jeden Gegner schwieriges, sich auf einen zu konzentrieren."

Besonders der knappe Sieg gegen Delmenhorst oder der Heimerfolg über die SG VTB/Altjührden werden Kählke noch lange in Erinnerung bleiben, selbst wenn es viele weitere Highlights in diesem besonderen Jahr gegeben hätte. "Wir hatten eine gute Vorbereitung und nach der langen Coronapause richtig Bock auf die neue Saison. Dass wir dann so gut gestartet sind, hat uns weiterhin sehr motiviert", erinnert sich der 30-Jährige. Auch die vier Niederlagen seien zwar kleine Dämpfer gewesen, doch unterm Strich haben diese das Team nur zu noch mehr Leistung motiviert.

Stichwort Motivation: Wo zieht er sich diese immer wieder her? "Ich will einfach eben immer gewinnen", lacht Kählke.

"Meine Mentalität ist halt so, ich war schon immer sehr ehrgeizig und treibe gern auch die anderen Jungs an." Stülpt er sein Trikot über, ist es auch mit der Nettigkeit manches Mal vorbei. 13 Zeitstrafen kassierte Kählke in dieser Saison, aber jeweils immer nur eine - in lediglich drei Partien waren es mal zwei. "Steve hat sich gut im Griff und weiß genau, wann man mal ordentlich zupacken muss - er macht das sehr geschickt", weiß Trainer Thomas um dessen Stärken. "Er ist vorn immer für Tore gut, macht zusätzlich im Abwehr-Mittelblock einen grandiosen Job - das ist wirklich bemerkenswert!"

Aber auch andersherum gibt es viel Lob. Kählke: "Carsten ist der perfekte Trainer für uns. Menschlich sowieso, aber auch seine Philosophie des Tempohandballs passt wahnsinnig gut zum Team." Diese sei immer wieder der Schlüssel zum Erfolg gewesen. "Besonders für ihn freut mich der Aufstieg extrem."

Die dritte Liga sei zweifelsfrei ein ganz anderes Kaliber, der Leistungssprung enorm. "Ich freue mich riesig auf das Abenteuer, wir können nur gewinnen - selbst wenn es am Ende vielleicht nur Erfahrung ist", blickt Kählke voraus. Doch auf welche Gegner die Nienburger treffen werden, das stehe zum einen noch nicht fest, zum anderen liegt der Fokus der "Meerbachspatzen" jetzt erst einmal auf etwas ganz anderem: Nämlich auf "Malle"!

Am Mittwoch reist die Mannschaft zum Saisonabschluss für ein paar Tage nach Mallorca. "Wir haben uns schon ein paar lustige Dinge überlegt: Beispielsweise darf sich jeder der Älteren einen Jüngeren aussuchen, der sich um ihn kümmern darf", schmunzelt Kählke. Am Freitag wird mit etwas Verspätung Coach Thomas am Flughafen erwartet. "Das wird bestimmt ganz lustig."


Text: "Die Harke"

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