Die HSG Nienburg lebt
Handball-Regionalliga: "Meerbachspatzen" feiern wichtigen 30:27-Heimsieg gegen die SG Achim/Baden
So hat man Tobias Naumann lange nicht mehr jubeln sehen im "Spatzennest". Kurz bevor die Sirene am Samstagabend durch die Nienburger Meerbachhalle hallte, ballte der Trainer der HSG Nienburg die Fäuste, drehte sich mit einem breiten Grinsen Richtung Bank, klatschte jeden seiner "Meerbachspatzen" ab - und wusste genau, wie viel dieser Sieg wert war. 30:27 (16:14) gegen die SG Achim/Baden, zwei immens wichtige Punkte im Abstiegskampf der Handball-Regionalliga und ein deutliches Lebenszeichen der Nienburger.
HSG Nienburg beginnt gut
Für den Tabellenvorletzten war dieses Duell gegen den vormaligen Tabellenzehnten quasi ein "Vier-Punkte-Spiel" im Abstiegskampf. Es war ein Nervenspiel, ein Prüfstein - und am Ende ein Abend, an dem die Rot-Schwarzen zeigten, dass sie sich noch lange nicht aufgegeben haben. Mit nun 10:26 Punkten rückte die HSG bis auf drei Zähler an Achim (13:23) heran - der Anschluss ist hergestellt.
Die Partie begann vor lautstarker Kulisse auch so, wie man es sich im HSG-Lager erhofft hatte. Johannes Hain, noch ein bisschen angeschlagen mit seiner maladen Wade, eröffnete den Torreigen nach 36 Sekunden, die HSG war sofort da, wach, bissig. Doch Achim ließ sich nicht abschütteln. Immer wieder egalisierten die Gäste Nienburger Vorsprünge (7:4, 9.), glichen zum 7:7 (15.) aus, gingen danach sogar mit 8:7 in Führung. "Da waren wir noch nicht konstant genug", sagte Naumann später im HARKE-Gespräch.
Doch seine Mannschaft blieb ruhig. Finn Kühlcke, Kai Bergmann und Jakob Naumann übernahmen Verantwortung, Lasse Kock zeigte sich vom Siebenmeterpunkt nervenstark. Bis zur Pause setzte sich die Naumann-Sieben wieder leicht ab, führte mit 16:14 - und ging vor allem mit dem Gefühl in die Kabine, dass an diesem Abend ein zweifacher Punktgewinn möglich war.
Wichtige Phase nach dem Seitenwechsel
Entscheidend wurde die Phase nach dem Seitenwechsel. Die HSG kam hochkonzentriert aus der Kabine, hatte sich taktisch gut auf das Angriffsspiel der Gäste eingestellt. Und dahinter stand ein Mann, der einmal mehr zum bärenstarken Rückhalt wurde: Tim Buschhorn. Der Torhüter wuchs in der zweiten Halbzeit über sich hinaus, parierte freie Würfe, entschärfte Siebenmeter und brachte Achims Schützen zunehmend zur Verzweiflung. "Was Tim da hinten gezeigt hat, war überragend", lobte Naumann. "Er hat uns in den wichtigen Phasen enorm geholfen."
Beim 23:21 nach 45 Minuten war klar: Die HSG hatte das Spiel in der Hand. Zwar blitzte bei den "Meerbachspatzen” zwischendurch das bekannte "Abstiegsfieber" auf, kleine Fehler, unnötige Zeitstrafen - doch anders als in vielen Spielen zuvor brachen die Rot-Schwarzen nicht ein. Im Gegenteil: Anton Borowski, der starke Paul Hildebrandt und Kock trafen, Luis Lengauer setzte mit seinem Treffer zum 29:26 den Schlusspunkt der Dramatik und sorgte so für die Jubelfäuste seines Coaches, ehe er Sekunden vor dem Ende auch den 30. Nienburger Treffer zum 30:27-Endstand markierte.
Naumann: "Der Sieg war total wichtig, immens wichtig für uns. Man merkt, dass langsam Selbstbewusstsein da ist. Die Würfe werden genommen, die Jungs trauen sich." Auch personell gab es Lichtblicke: Anton Borowski kam stark zurück nach seinem grippalen Infekt, Lasse Kock findet nach seiner Fußverletzung immer besser seinen Rhythmus und bekommt mehr Spielminuten, und selbst angeschlagene Spieler wie Hain, Kühlcke oder Conrad Meierhans bissen auf die Zähne.
Die Meerbachspatzen haben nun nicht nur zwei Punkte mehr auf dem Konto, sondern vor allem immer mehr Hoffnung auf die Kehrtwende im Abstiegskampf. "Wir krabbeln langsam ran", formulierte es Naumann treffend. Wenn die HSG diesen Kampfgeist konservieren kann, dann dürfte das "Spatzennest" auch in den kommenden Wochen noch einige emotionale Abende erleben - vorerst geht es nächsten Samstag allerdings zum Tabellenvierten SV Beckdorf.
Statistik:
Buschhorn 1 geh. 7m, Lüdersen - Fiebiger, Schulz, Bergmann 3, Hain 2, Kühlcke 5, Hildebrandt 5, Meyer 1, Borowski 4, Lengauer 2, Meierhans 1, Naumann 2, Päßler, Kock 5/4
Siebenmeter: 4/5 - 6/7
Zeitstrafen: 4 (Hildebrandt 2x, Bergmann, Kühlcke) - 2
Rote Karte ohne Bericht: Naumann (48.)
Spielfilm: 1:1, 5:2, 7:8, 11:9, 16:14 (30.); 19:16, 19:20, 23:21, 27:24, 30:27 (60.)
Textquelle: "Die Harke"
