HSG Nienburg klammert sich an die letzte Hoffnung
Handball-Regionalliga: In Cloppenburg zählt nur ein Sieg - Rückkehr von Matthias Ende macht Mut für die Zukunft
Der Blick auf die Tabelle lässt wenig Interpretationsspielraum zu - und doch klammern sich die Regionalliga-Handballer der HSG Nienburg an den letzten Strohhalm. Als Vorletzter (10:34 Punkte) treten die "Meerbachspatzen" am Sonnabend um 19.30 Uhr beim Tabellenzehnten TV Cloppenburg (17:27) an. Die Ausgangslage ist klar: Verlieren verboten. Nur ein Sieg hält die ohnehin nur noch theoretische Chance auf den Klassenerhalt am Leben.
Trotz des aktuellen Abstiegskampfes richtet sich ein Teil der Aufmerksamkeit bereits auf eine Personalie, die Hoffnung für die Zukunft macht: die Rückkehr von Keeper Matthias Ende im Sommer - er wird Jonas Lüdersen (kam im Sommer 2025 vom TV Oyten) ersetzen, der die HSG nach nur einem Jahr wieder verlässt. Für den 24-Jährigen ist der Aufwand schlicht zu hoch, Lüdersen wohnt in Bremen, studiert Lehramt in Oldenburg, einen neuen Verein hat Lüdersen noch nicht.
Ende bringt Erfahrung mit
Mit Ende wird ein erfahrener Torhüter zur kommenden Saison wieder das Trikot der "Meerbachspatzen" tragen - und könnte zu einem entscheidenden Baustein für den Neuaufbau werden, unabhängig von der Ligazugehörigkeit. "Ich freue mich sehr, dass er wieder zurückkommt. Das ist ein richtig guter Transfer für uns", sagt HSG-Rückraumspieler und Teamsprecher Finn Kühlcke. Ende, der bereits von 2016 bis 2023 in Nienburg spielte, bringt nicht nur Qualität, sondern auch Identifikation mit.
Nach seiner letzten Station beim MTV Großenheidorn und zuletzt einer Handballpause will der mittlerweile 32-Jährige nun noch einmal angreifen - seine letzten beiden vollen Saisons im Handball verbrachte er also in der 3. Liga, ein Jahr mit der HSG, ein Jahr mit dem MTV. Sein Pass ist jetzt schon bei der HSG, er sprang zuletzt schon zwei Mal ein.
Gerade mit Blick auf die Altersstruktur und Hierarchie innerhalb der Mannschaft misst Kühlcke der Verpflichtung große Bedeutung bei. "Er kann uns enorm weiterhelfen, ist ein erfahrener Torhüter und kann Lennard Rehberg viel mitgeben." Die HSG setzt damit künftig bewusst auf ein Duo aus jungem Talent und Routine - ein Konzept, das Stabilität verspricht.
Diese Perspektive steht allerdings im Kontrast zur aktuellen sportlichen Lage. Denn im Hier und Jetzt kämpfen die Nienburger weiterhin ums Überleben in der Liga. Vier Spiele bleiben, der Rückstand auf den rettenden Rang beträgt sechs Punkte (SV Alfeld, 16:28 Punkte). Die Rot-Schwarzen müssen jetzt quasi jedes Spiel gewinnen und darauf hoffen, dass die Konkurrenz dauerhaft patzt - nach jetzigem Saisonverlauf eher unrealistisch.
Dass die Mannschaft jedoch grundsätzlich in der Lage ist, in der Regionalliga mitzuhalten, zeigte sie am vergangenen Wochenende. Beim 29:31 gegen den Tabellenzweiten Northeimer HC lieferte das Team von Trainer Tobias Naumann einen leidenschaftlichen Auftritt auf Augenhöhe mit einem Topteam ab. Besonders Torhüter Tim Buschhorn überragte mit 19 Paraden, während die Offensive variabel agierte. "Wir haben die richtige Einstellung zum Wettkampf gefunden", lobte Naumann.
Doch erneut blieb die Belohnung aus - ein Muster, das sich durch die Saison zieht. Zu viele knappe Niederlagen, zu wenig Ertrag. Entsprechend groß ist der Druck vor der Partie in Cloppenburg. Eine weitere Niederlage dürfte den letzten Funken Hoffnung auf den Klassenerhalt endgültig zum Erlöschen bringen. Die Aufgabe ist dabei alles andere als einfach. Der TVC hat sich nach schwachem Start stabilisiert und verfügt mit Michal Skwierawski (157 Tore), Dejan Karan (104) und Tomás Chicharro (95) über ein gefährliches Offensivtrio. Vor allem Spielmacher Karan bestimmt das Tempo, während Chicharro am Kreis kaum zu kontrollieren ist. Schon im Hinspiel wurde dies deutlich, als Cloppenburg mit 29:21 souverän gewann.
Für die HSG wird es daher entscheidend sein, die eigene Defensive zu stabilisieren und die Fehlerquote niedrig zu halten. "Wir müssen kompakt stehen und unsere Chancen konsequent nutzen", fordert Naumann. Immerhin: Die zuletzt angeschlagenen Spieler dürften rechtzeitig fit werden. Während also am Sonnabend in der letzten Partie vor der Osterpause alles auf dem Spiel steht, ist die Verpflichtung von Matthias Ende ein Signal, das über den Abstiegskampf hinausweist.
Sie zeigt, dass die HSG Nienburg weiterhin plant, weiterhin an sich glaubt - und unabhängig vom Ausgang dieser Saison den Grundstein für eine stabilere Zukunft legen will. Kühlcke abschließend: "Schade, dass Jonas uns verlässt, er hat menschlich super reingepasst, aber mit unserem neuen Torhütergespann sind wir gut aufgestellt und haben nun eine gute Kadergröße von 16 Spielern. Wenn sich noch etwas ergibt, schlagen wir aber vielleicht noch einmal auf dem Transfermarkt zu."
Textquelle: "Die Harke"
