HSG NIENBURG | Meerbachspatzen

Philipp Keßler
Mit pinken Schnürsenkeln zum Sieg

Handball-Oberliga: HSG Nienburg bezwingt bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer mit 36:32

Waren es wirklich nur zwei pinke Schnürsenkel, oder doch die erstarkte Defensive der HSG Nienburg, die den bis dahin ungeschlagenen Spitzenreiter TV Bissendorf-Holte in die Knie zwang? Mit der vermutlich stärksten Saisonleistung sorgten die "Meerbachspatzen" dafür, dass sich der Tabellenführer der Handball-Oberliga nach und nach Zahn für Zahn ausbiss und letztlich die erste Pleite kassierte - und das völlig verdient. Mit 36:32 (16:16) setzte sich Rot-Schwarz im letzten Heimspiel des Kalenderjahres durch und durfte anschließend eine krachende Kabinenparty feiern.

Sie zeigten lachend auf ihre grauen Sportschuhe: Anton Borowski und Conrad Meierhans. Vor der Partie mussten beide ihre defekten Schnürsenkel ersetzen - Burowski hatte noch ein farbenfrohes Set in Pink dabei - sah etwas seltsam aus, aber hielt. "Die Dinger bleiben da jetzt ewig dran!", grinste Meierhans, der nach der Verletzung von Kreisläufer Kai Bergmann in die Startformation gerückt war und einen Bärenanteil am Heimsieg hatte.

Doch zunächst sah es gar nicht nach einer feuchtfröhlichen Siegessause der Gastgeber aus. Nach dem 1:0 der Gäste durch Fabian Rußwinkel scheiterte zunächst Bjarne Niemeyer an TV-Keeper Fabian Ullrich. Kurz darauf verhielt sich HSG-Leader Steve Kählke etwas zu ungestüm im Zweikampf und musste zwei Minuten auf die Bank. Die selbstbewusst und energisch auftretenden Kreis-Osnabrücker wussten die Gunst dieser Phase zu nutzen und enteilten auf 9:5 (14.). Der HSG drohte die dritte Pleite gegen eins der Top-drei-Teams in Folge - Angesicht der Personalprobleme im Nienburger Lager war das gar nicht verwunderlich.

Plötzliches Aufbäumen

Umso überraschender war das plötzliche Aufbäumen der Heimsieben von Trainer Tobias Naumann. Torhüter Ludwig Meierhans, der in der elften Minute erstmals eine Parade verzeichnen durfte, wurde nun zum Schreck der Bissendorfer. Naumann stellte die Abwehr von einer 5-1-Deckung auf 6-0 um und das fruchtete: Der TV tat sich im Abschluss auf einmal schwer und setzte Würfe aus schwierigen Lagen neben den Kasten oder Meierhans hatte leichtes Spiel, den heranfliegenden Ball abzuwehren. Einen abgefangenen Ball verwertete der souverän auftretende Johannes Hain schließlich zum 10:10 (19.). Auszeit Bissendorf, Jubel bei der HSG.

 

Wir haben uns gegenseitig extrem gepusht, die Jungs auf der Platte, auf der Bank und auch die Zuschauer.


Conrad Meierhans, HSG-Kreisläufer

 

Fortan waren die Weserstädter dem Spitzenreiter nicht nur ebenbürtig, sie hatten ihm in vielen Szenen etwas voraus. Lediglich in einzelnen Momenten wollten die Nienburger um Paul Hildebrandt etwas zu viel, verloren im Angriff teils leichtfertig die Bälle, Damit vergaben sie die Chance, gar mit einer Führung in die Pause zu gehen, sodass das 16:16 nach 30 Minuten für den Favoriten sogar bereits in die Kategorie Schadensminimierung zu stecken war.

Nach dem Seitenwechsel hütete bei der HSG Tim Buschhorn das Tor. Ein Wechsel, der mehr als goldrichtig war. Buschhorn erwischte einen Sahnetag und parierte die ersten vier Angriffe der Bissendorfer mit starken Reflexen. Die "Meerbacharena" bebte und Hallensprecher Rainer Hillebrandt konnte gar nicht oft genug "Tiiiiiiiiim Buuuschhorn" rufen.

Mit diesem starken Rückhalt und der weiterhin energischen Abwehrleistung erarbeiteten sich die Hausherren ein kleines Torepolster, führten nach 46 Minuten mit 26:21. Die Gäste stellten in der Schlussphase auf eine offensive Deckung um, attackierten die Nienburger früh und stellten sie damit vermehrt vor Probleme. Auch aufgrund mehrere Unterzahlminuten blieb es lange spannend, die HSG schien nervös zu werden. Doch drei Zeigerumdrehungen vor dem Ende tankte sich "Aggressive Leader" Marin Wrede durch die TV-Reihen und besorgte das vorentscheidende 34:29.

Per Heber zum Sieg

Johannes Hain (mit zehn Treffern bester Nienburger Torschütze), Conrad Meierhans und Steve Kählke krönten ihre herausragenden Leistungen mit feinen Toren, am Ende sogar mit eleganten Hebern zum 36:32-Heimsieg - ein Sieg, mit dem zuvor vermutlich nicht viele gerechnet haben dürften. Und der obendrein ein erstklassiges Geburtstagsgeschenk für ihren Ex-Coach Carsten Thomas war, der es sich natürlich nicht nehmen ließ und an seinem Ehrentag auf der Tribüne den ehemaligen Schützlingen die Daumen drückte. "Wir haben den Kopf oben behalten und nicht aufgegeben", erklärt Conrad Meierhans die starke Leistung, "wir haben uns gegenseitig extrem gepusht, die Jungs auf der Platte, auf der Bank und auch die Zuschauer." Auch Paul Hildebrandt war sich sicher: "Wir haben es bis zum Schluss durchgezogen. Eine geniale Teamleistung! Gegen Burgwedel haben wir es in den letzten sieben Minuten aus der Hand gegeben - das sollte uns nicht noch einmal passieren."

Coach Naumann analysierte etwas gefasster: "Wir versuchen, stetig stabiler zu werden, haben die schwierige Anfangsphase toll weggesteckt und sind nicht in Panik verfallen. Das Team muss weiterhin lernen, immer an seine Stärke zu glauben - das hat heute wunderbar geklappt."

Statistik:

L.Meierhans 1 geh. 7m, Buschhorn 1 geh. 7m - Hain 10, Kühlcke 2, Niemeyer 7, Hildebrandt 4, Borowski, Kählke 6, C.Meierhans 5, Fennekoldt, Päßler, Wrede 2, Fiebiger

Strafwürfe: 0 - 4/6

Zeitstrafen: 6 (2x Kählke, 2x Kühlcke 2, Fennekoldt 1, Päßler 1) - 2

Spielfilm: 0:2, 3:5, 4:7, 5:9, 10:10, 12:12, 16:14, 16:16 (30.); 19:18, 23:21, 26:21, 30:24, 32:28, 34:31, 36:32 (60.)


Textquelle: "Die Harke"

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