Pendeln nach Nienburg für den Handballtraum
Jakob Naumann spricht über seinen Wechsel zur HSG Nienburg und das Spiel unter Vater Tobias
In dieser Liga kann jeder jeden schlagen - unter diesem Motto haben wir mit Jakob Naumann über seinen Wechsel zur HSG Nienburg, seine sportlichen Ziele, den bisherigen Saisonverlauf und das besondere Verhältnis gesprochen, das entsteht, wenn der eigene Vater zugleich der Trainer ist.
Mit Naumann hat die HSG Nienburg einen wurfstarken Neuzugang verpflichtet, der gemeinsam mit Rückraumspieler Anton Borowski für zusätzliche Durchschlagskraft sorgen soll. Der gebürtige Bremer entdeckte seine Leidenschaft für den Handball beim TSV Daverden, wo er seine ersten Schritte in der Halle machte - nun soll er in Nienburg für Gefahr und Tore im Rückraum sorgen.
Über den Oberligisten Achim/Baden und dem TV Oyten und führte sein Weg zu den Meerbachspatzen. Der Wechsel fiel ihm leicht, denn das Angebot sei absolut reizvoll gewesen: "Zum einen reizte mich die höhere Liga." Und nach zwei Probetrainings sei ihm klar gewesen, dass er wechseln würde. "Die Jungs waren gleich sympathisch und sind eine tolle Truppe, mit der es Spaß macht, Handball zu zocken."
Und so nimmt er auch den erheblichen zeitlichen Aufwand, mit dem Zug von Bremen nach Nienburg zu fahren, in Kauf. Dreimal pro Woche pendelt er zum Training, am Wochenende zu den Spielen. Rund eine Stunde ist Jakob Naumann dafür unterwegs. Aber für ihn lohnt sich dieser Aufwand für sein leistungsorientiertes Hobby: "Es macht immer Spaß, in die Halle zu kommen und mit den Jungs zu quatschen. Jeder ist gut mit jedem." Zusätzlich zum Training in der Halle geht er noch drei bis viermal die Woche ins Fitnessstudio, um die arg beanspruchte Schulter mit Rotationsbewegungen und Stabilitätsübungen fit zu halten.
Der 22-jährige Lehramtsstudent hat auch gleich ein paar wichtige Ämter im Team übernommen. Zu denen gehört, dass die Bällewagen beim Training bereitstehen, mit Kreisläufer Conrad Meierhans müssen die Fußbälle bereitgestellt und die akribisch geführte vereinsinterne Torstatistik beim Fußball geführt werden. Außerdem plant er die Mannschaftsfahrt am Saisonende. Eins sei verraten: Es geht an den Ballermann.
Leistungsorientierter Handball bei der HSG
Beim TV Oyten hat er in der Oberliga viel Spielzeit bekommen, viele Siege gefeiert und viele Tore geworfen. Nach einer Saison wechselte er nach Nienburg, wo Vater Tobias bekanntlich der Trainer ist. Dort bildet er mit Anton Borowski ein starkes Rückraum-Duo, das verschiedene Spielanlagen hat. Beeindruckend ist Naumanns Sprungkraft, mit der er, wenn er geholt wird, den Ball aufs Tor wirft. Bestenfalls sollten diese Würfe dann den Weg ins Tor finden. Dreher sieht man von ihm eher nicht. "Außer, wenn der Ball aus der Hand rutscht", fügt er schmunzelnd hinzu.
Die Gespräche für die nächste Saison sind schon gestartet
Ob der 22-Jährige seinen bis zum Saisonende laufenden Vertrag verlängert, dazu hat er sich noch keine Gedanken gemacht. Seine 46 Tore in elf Partien sprechen für ihn, sei aber noch ausbaufähig. Dazu hat er auch noch genügend Spiele, um seine Torausbeute zu erhöhen. Und er somit dem HSG-Vorstand mehr Gründe für seine Vertragsverlängerung geben kann. Denn seine Mannschaft ist nicht gut die Saison gestartet. Fünf magere Punkte in zwölf Partien ist deutlich unter dem, was man sich vorgenommen hatte.
In dieser Liga kann jeder jeden schlagen
Naumann sieht den schlechten Saisonstart pragmatisch. "Das erste Spiel war gegen Burgdorf II, und danach spielten wir gegen Alfeld und Oldenburg. Das waren schwere Gegner zu Beginn. Wir hätten aber auch gegen diese Teams gut aussehen können und nicht so hoch verlieren müssen. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen. Das hat man auch an den letzten Ergebnissen gesehen. Wir gewinnen mit 16 Toren gegen Himmelsthür und dann schlagen die auf einmal Beckdorf, gegen die wir nur knapp in den letzten zehn Minuten verlieren. Beckdorf schlägt Northeim gegen die wir mit 19 Toren verloren haben."
Naumann wundert sich über die Ergebnisse der Konkurrenz, die keine Kontinuität aufweisen: "Deshalb ist es ärgerlich, dass wir noch nicht zu den Mannschaften gehören, die dann auch mal jemanden schlagen, wo man gedacht hätte, das packen die nie", wartet der 22-Jährige noch auf den großen Aha-Effekt seines Teams. "Im Moment sieht es bei uns verletzungs- und-kadertechnisch sehr mau aus. Wir sind sehr dünn besetzt. Wenn die Kaderbreite schwindet, dann hat man nicht die Power, die ganze Zeit durchzuspielen. Allgemein habe ich im Moment das Gefühl, dass bei uns der Wurm drin ist oder der Knoten noch nicht geplatzt ist."
Tabellenmittelfeld erhofft
Bei seinem Wechsel zu den Meerbachspatzen hatte er sich eigentlich eine bessere Platzierung in der Tabelle erhofft. "Wenn alle fit geblieben wären, hätte ich uns eher im Mittelfeld gesehen. Dass wir jetzt da unten reingerutscht sind, spricht immer noch nicht dagegen, dass wir im Mittelfeld mitspielen können."
Wie viel Einfluss hatte Vater Tobias als Trainer der Nienburger an seinem Wechsel? "Gar nicht so viel, wie manche denken würden. Aber wir pflegen ein professionelles, wenn nicht sogar distanziertes Verhältnis während des Sports zueinander. Ich habe selten so wenig mit meinem Vater geredet wie in der Handballhalle. Es ist auch schön, dass wir uns jetzt öfters sehen, seitdem ich ausgezogen bin. Wir kommen gut miteinander klar, auch zu Hause, wo Handball jetzt noch mehr Thema ist." Vor allem, wenn es nur konstruktive und positive Kritik gibt. Meistens sind aber beide froh, wenn es sich mal nicht um den Handball dreht.
Kurz auf den Punkt:
- Heim oder Auswärtsspiel?
Heimspiel - Angriff oder Abwehr?
Angriff - Hoher Sieg oder Siegtreffer in letzter Sekunde?
Hoher Sieg - Dreher oder oben in den langen Winkel?
Oben in den langen Winkel - Sprungwurf oder Hüftwurf?
Sprungwurf - Direkter Freiwurf: Wo stehst du?
In der Mauer oder Schütze vor der Mauer? Schütze vor der Mauer
Textquelle: "Die Harke"
