HSG NIENBURG | Meerbachspatzen

Philipp Keßler Recken rocken Nienburg

Handball: Jubiläumsspiel der HSG gegen Bundesligist TSV Hannover-Burgdorf endet 20:47. TSV-Trainer Christian Prokop lobt "junge, dynamische Mannschaft" der Gastgeber

Heiß, laut, spektakulär: Das Freundschaftsspiel zwischen der HSG Nienburg und dem Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf wurde zu einem echten Höhepunkt im Rahmen des 1000-jährigen Stadtjubiläums. In der ausverkauften Kreisberufsschulhalle feierten rund 750 Zuschauer nicht nur hochklassigen Handball, sondern ein echtes Fest für Sport und Gemeinschaft.

Schon beim Einlaufen der Teams kochte die Stimmung. Die "Recken" aus Hannover waren in Bestbesetzung angereist und zeigten eindrucksvoll, warum sie in der Bundesliga um die Spitzenplätze mitspielen. Mit schnellen Angriffen, cleveren Spielzügen und individueller Klasse begeisterten sie das Publikum - und ließen die Gastgeber staunen.

Aber die "Meerbachspatzen" versteckten sich keineswegs vor großen Namen wie Justus Fischer oder Renars Uscins. Im Gegenteil: Früh ging die HSG durch zwei Tempogegenstöße in Führung und setzte deutliche Ausrufezeichen. Johannes Hain vergoldete einen Ballgewinn zum zwischenzeitlichen 2:1 für die Rot-Schwarzen. Besonders Bjarne Niemeyer, der im Mai offiziell verabschiedet worden war, sorgte mit acht Treffern - vier davon per Siebenmeter - für Aufsehen. Dabei stand ihm oft kein Geringerer als Nationaltorhüter Joel Birlehm gegenüber. "Ich habe da gar nicht so viel nachgedacht", grinste Niemeyer nach der Partie. "Ich wollte mir einfach einen schönen Abschied bereiten und Spaß haben."

Im weiteren Verlauf setzte sich jedoch die Klasse der Gäste durch. Zur Halbzeit führte Hannover mit 24:10, am Ende stand ein standesgemäßes 47:20 auf der Anzeigetafel.

Lob vom Ex-Bundestrainer

Auch Ex-Nationaltrainer und Recken-Coach Christian Prokop zeigte sich angetan: "Erst einmal ein Dank an alle Nienburger, die dieses tolle Testspiel möglich gemacht haben. Am Anfang haben sie uns echt kalt erwischt und mit einigen Tricks überrascht. Sie haben eine junge und dynamische Mannschaft, die auf jeden Fall viel Potenzial hat."

Auch mit seiner eigenen Mannschaft war er zufrieden: "Wir haben die Partie in vier Viertel eingeteilt und einiges ausprobiert. Ich hatte vorher vor allem Laufintensität gefordert, und das hat mein Team bestens umgesetzt. Ich denke, wir konnten den Zuschauern ein unterhaltsames Spiel bieten."

Starke Paraden

Ein besonderes Highlight war das Comeback von Kühlcke, der nach langer Verletzungspause erstmals wieder bei einem Spiel auf der Platte stand: "Im Alltag habe ich manchmal noch ein paar Beschwerden, aber heute hat es schon wirklich wieder sehr gut funktioniert. Bei dem Tempo der Recken kann man halt häufig nur staunend zusehen. Es war richtig geil und für alle ein unvergessliches Erlebnis."

Für Jubel sorgten auch die HSG-Keeper. Tim Buschhorn parierte beispielsweise in der ersten Hälfte einen Siebenmeter von Recken-Kapitän Marius Steinhauser, Neuzugang Jonas Lüdersen fing im zweiten Durchgang einen Wurf von Marian Michalczik, der völlig frei vor ihm auftauchte, spektakulär ab. Auf der anderen Seite begeisterte Nienburgs Kreisläufer Kai Bergmann mit einem Heber über Keeper Birlehm hinweg in die Maschen - ein Treffer, der die Halle beben ließ.

Profis an der Pfeife

Mit Jannik Otto und Raphael Piper waren ebenfalls zwei echte Profis am Werk: Sie pfeifen gemeinsam in der 1. Bundesliga und hatten nicht nur alles bestens im Griff, sondern hatten auch Menge Freude. Während Piper aus seiner Heimatstadt Kiel anreiste, konnte Otto quasi mit dem Fahrrad anreisen. Seit Januar wohnt der Syker aus beruflichen Gründen in Nienburg.

Vor dem Spiel ließ sich HSG-Trainer Tobias Naumann einen Tipp für das Spiel entlocken: 24:47 sagte er - und lag damit bei den Gegentreffern sogar exakt richtig. Nur seine Jungs versagten ihm mit vier Toren zu wenig den kompletten Goldtipp.

Das Ergebnis rückte an diesem Abend aber ohnehin schnell in den Hintergrund. Vielmehr war es das gemeinsame Erlebnis, das zählte. Autogramme wurden geschrieben, Selfies gemacht - und alle waren mittendrin. Im Anschluss an das Spiel ging es für beide Teams gemeinsam zum Abendessen ins Restaurant "Maximilian" in der Nienburger Innenstadt. Fans und Neugierige konnten hautnah dabei sein, Erinnerungsfotos mit ihren Idolen machen und bei kühlen Getränken mit den Spielern ins Gespräch kommen.

Den krönenden Abschluss bildete die "Players Night" im "Babas" in der Leinstraße: Bei Musik und ausgelassener Stimmung wurde bis tief in die Nacht gefeiert - ein rundum langer sowie gelungener Handballtag für Spieler, Fans und die gesamte Stadt. Schließlich hatten schon am Mittag die HSG-Frauen mit einem 42:17-Erfolg gegen den SV Warmsen vorgelegt. Auch die Herren-Reserve ließ beim 41:20 gegen die HSG Mittelweser-Eystrup nichts anbrennen - ein sportlich wie atmosphärisch vollauf gelungener Tag.

Statistik:

Buschhorn 1 geh. 7m, Lüdersen - Fiebiger, Walther 1, Bergmann 1, Hain 1, Kühlcke 1, Niemeyer 8/4, Hildebrandt 1, Meyer, Borowski 1, Lengauer 1, Meierhans 2, Naumann 2, Päßler 1, Kock

Siebenmeter: 5/5 - 2/3

Zeitstrafen: 4 (Bergmann, Hain, Lengauer, Neumann) - 0

Spielfilm: 2:1, 2:6, 3:8, 6:18, 10:24 (30.); 12:30, 15:35, 15:40; 16:43, 20:47 (60.)


Textquelle: "Die Harke"

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