HSG NIENBURG | Meerbachspatzen

Stefan Schwiersch Spielbericht: TSV Burgdorf II vs. HSG NIENBURG

"Andere würden sich zerfleischen"

Handball-Regionalliga: Siebte Pleite in Folge, aber die HSG macht in Burgdorf nicht alles falsch

Die HSG Nienburg konnte ihren Abwärtstrend auch im 14.Saisonspiel der Handball-Regionalliga nicht stoppen - erwartungsgemäß. Mit 33:41 (10:21) unterlag die Sieben von Tobias Naumann beim Spitzenteam TSV Burgdorf II. Trotzdem ist der Trainer überzeugt: Noch ist der Sarg nicht zugenagelt.

Ganz normal ist das nicht bei der HSG Nienburg. Sportlich kassiert das Team aktuell eine Bratsche nach der anderen, mittlerweile 11 in 14 Spielen. Andernorts wären folgerichtig längst Diskussionen um Kompetenzen und Qualitäten entbrannt. In Nienburg herrscht, zumindest in der Außendarstellung, keinerlei Aktionismus in einer tieftrüben Situation. Im Gegenteil: Die jüngsten Vertragsverlängerungen von Trainer und Leistungsträgern stehen quasi im Widerspruch zum sportlichen Trend.

Sechs schlimme Minuten leiten die Niederlage ein

Die Ursache der siebten Niederlage in Serie beim Bundesliga-Nachwuchs der "Recken" ist schnell enttarnt: Sechs Drecksminuten langten, um nach einem 2:2-Zwischenstand plötzlich mit 2:9 zurückzuliegen. Und selbst da machten die Meerbachspatzen nicht alles falsch, eroberten Bälle, waren aber bei den entscheidenden Pässen zu ungenau und im Abschuss zu fahrig. "Wir machen das gut, sind im Wettkampf", sagt Trainer Naumann. "Aber dann werfen wir drei Hochkaräter weg und die Köpfe gehen runter."

Die HSG in Burgdorf: Dr. Jekill & Mr. Hyde. Finn Kühlcke & Co. weisen immer wieder nach, dass sie in der vierten Liga mitschwimmen können, aber viel zu selten über vollständige 60 Minuten. So auch im letzten Match vor der Weihnachtspause: Nach der unkonzentrierten Leistung in Hälfte eins berappelte sich das Team und gewann Hälfte zwei - beim Tabellenzweiten! - mit 22:21.

Dabei begann das Spiel mit Sorgen auf der Torhüter-Position: Tim Buschhorn war aufgrund einer Muskelverletzung gar nicht mitgereist nach Burgdorf, der aus der Zweitvertretung hochgezogene Bastian Clasen verletzte sich beim Aufwärmen am Knie, verließ die Halle in der Halbzeit und ließ sich im Krankenhaus untersuchen; die Diagnose steht noch aus. Somit musste Jonas Lüdersen durchspielen.

Gerade erst hat Tobias Naumann seinen Vertrag bei den Meerbachspatzen um ein Jahr bis 2027 verlängert. Bedeutet: Er sieht eine Perspektive in Nienburg, ist überzeugt, hier trotz einer aktuell ausweglosen Situation noch Impulse setzen zu können. Und auch die siebte Pleite in Folge der Außenwelt zu erklären, nerve ihn nicht, "das gehört dazu".

Es sei noch immer möglich, den Bock umzustoßen. "Wir können es schaffen, weil das Team das Potenzial hat. Irgendwann kommt die Konstanz." Mehr noch: Aktuell gelingt es dem Klub, wichtige Spieler wie die Kapitäne Kai Bergmann und Finn Kühlcke über die Saison hinaus zu binden. "Andere Teams", meint Naumann, "könnten in Situationen wie diesen zerfallen, sich zerfleischen."

Und doch hat sich der Druck seit dem gestrigen Samstag weiter erhöht. Kellerkonkurrent Cloppenburg hat überraschend den Rangdritten Northeim mit 40:32 bezwungen, damit beträgt der Rückstand zum rettenden Ufer vier Punkte. Im Januar und Februar trifft die HSG verstärkt auf Mannschaften mit passender Kragenweite. Naumann: "Wir alle halten am Ziel fest. Und unser Zusammenhalt ist ein starkes Zeichen." Nach dem Samstag-Spiel endete der Zusammenhalt allerdings zeitig, eine Weihnachtsfeier war nicht geplant. Dafür gibt's am Montag eine abschließende Trainingseinheit mit Spielcharakter, um dann eher vergnügt als belastet in die kurze Weihnachtspause zu gehen. Weiter geht's für die "Meerbachspatzen" am 10. Januar mit einem Heimspiel gegen die SV Alfeld (19.30 Uhr).

Statistik:

Lüdersen - Fiebiger, Bergmann 2/1, Hain 1, Kühlcke 3, Hildebrandt 5, Meyer 5, Clasen, Borowski 1, Lengauer 4, Meierhans 3, Naumann 9

Siebenmeter: 4/4 - 1/1

Zeitstrafen: 1 - 3 (Fiebiger, Hildebrandt, Meierhans)

Spielfilm: 2:2, 9:2, 14:5, 18:8, 21:10 (30.); 24:14, 27:19, 31:22, 38:28, 41:33 (60.)


Textquelle: "Die Harke"

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