Zäh, nervös, umkämpft
Handball-Regionalliga: HSG Nienburg gewinnt Kellerduell gegen Grüppenbühren daheim mit 28:25
Schön war das nicht. Aber es war quasi überlebenswichtig. Im Kellerduell der Handball-Regionalliga hat der Tabellenvorletzte HSG Nienburg am Samstagabend in der heimischen Meerbachhalle den Tabellenletzten HSG Grüppenbühren/Bookholzberg mit 28:25 (13:12) bezwungen. Diese zwei immens wichtigen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt waren im "Spatzennest" kein Augenschmaus. Es war aber ein Heimsieg der Moral, der Nerven - und der blanken Notwendigkeit.
Ordentlichem Start folgt viel Krampf
Schon vor dem Anwurf war die Bedeutung dieser Partie im "Spatzennest" mit Händen zu greifen. Verlieren verboten, gewinnen Pflicht. Entsprechend verkrampft begann die Begegnung. Die Meerbachspatzen starteten zwar ordentlich, gingen durch zwei Treffer von Paul Hildebrandt und einem vom starken Lukas Meyer schnell mit 3:0 (5.) in Führung, doch Sicherheit brachte das nicht. Stattdessen schlichen sich viele Fehler ein, die Verunsicherung war spürbar.
Grüppenbühren nutzte diese Phase konsequent, drehte die Partie und zog zwischenzeitlich auf 7:4 (15.) davon. Die Gäste spielten ihre Angriffe extrem lang aus, warteten geduldig auf Nienburger Fehler - und fanden sie. Die "Meerbachspatzen" wirkten in der Offensive blockiert, ließen Chancen liegen, verloren kurzzeitig den Zugriff. "Man hat gemerkt, dass das Selbstvertrauen noch nicht da ist, trotz des Remis gegen Alfeld vor zwei Wochen", sagte Trainer Tobias Naumann später im HARKE-Gespräch. "Da klappen ein, zwei Sachen nicht, dann kommt eins zum anderen - und plötzlich hast du wieder diese Geister auf dem Feld."
Erst eine Auszeit brachte etwas Ordnung ins Spiel der Rot-Schwarzen. Meyer übernahm Verantwortung, Borowski wurde besser in Szene gesetzt, auch Kreisläufer und Kapitän Kai Bergmann ging voran. Schritt für Schritt kämpfte sich die HSG zurück, drehte das Spiel wieder und ging mit einer knappen 13:12-Führung in die Kabine. Es war ein erster kleiner Schritt - mehr aber auch noch nicht.
Partie bleibt nach Seitenwechsel zäh
Nach dem Seitenwechsel blieb die Partie zäh und von Nervosität geprägt. Die Rot-Schwarzen verteidigten aufopferungsvoll, warfen sich in Würfe, arbeiteten gegen die langen Angriffe der Gäste. Doch in der eigenen Offensive fehlte weiterhin die Leichtigkeit. Mehrfach ließ Nienburg die Chance liegen, sich entscheidend abzusetzen. Als Grüppenbühren beim 21:21 wieder ausglich, drohte das Spiel endgültig zu kippen.
"Diese Phase, in der es lange 18:14 für uns steht und wir kein Tor machen, die tut weh", haderte Naumann. "Da müssen wir eigentlich souveräner sein. Aber wir haben es am Ende geschafft, das Ruder noch einmal rumzureißen."
Entscheidend war, dass die heimische HSG diesmal nicht einbrach. Bergmann übernahm weiter Verantwortung, verwandelte sicher vom Siebenmeterpunkt, Linksaußen Meyer traf in den entscheidenden Momenten, auch Finn Kühlcke setzte in dieser Phase wichtige Akzente. Defensiv hielt Nienburg die Konzentration hoch, ließ sich trotz schwindender Kräfte nicht auseinanderziehen. Als die Gastgeber beim 25:23 (57.) erstmals wieder etwas Luft hatten, wich auch auf den Rängen spürbar die größte Anspannung.
In den Schlussminuten spielten die Meerbachspatzen die Uhr geschickt herunter. Grüppenbühren kam zwar noch einmal heran, doch der starke Meyer setzte mit dem Treffer zum 28:25 den Schlusspunkt - und sorgte für hörbare Erleichterung im "Spatzennest". Kein Jubelsturm, eher ein kollektives Durchatmen.
"Hässliche Spiele bringen auch zwei Punkte", sagte Naumann mit einem gequälten Lächeln nach Spielende. "War das ein schönes Spiel? Nein. Aber wir brauchen Siege, egal wie." Dass noch viel Luft nach oben ist, weiß der Nienburger Trainer selbst: "Im Angriff können wir einige Situationen besser lösen. Aber wir haben gekämpft, wir haben verteidigt - und das zählt im Moment mehr als alles andere und hat die zwei Punkte gebracht."
Unterm Strich bleibt ein Arbeitssieg, der die HSG Nienburg im Rennen um die Plätze zehn bis zwölf hält, denn die Konkurrenten Himmelsthür, Alfeld und Achim/Baden verloren allesamt. Kein Leckerbissen, kein Befreiungsschlag - aber ein Schritt in die richtige Richtung.
Statistik:
Buschhorn 1 geh. 7m und 1 Tor, Lüdersen - Fiebiger 2, Bergmann 7/2, Kühlcke 2, Hildebrandt 3, Meyer 7, Borowski 3, Lengauer 1, Meierhans 1, Naumann 1, Kock
Siebenmeter: 2/3 - 6/7
Zeitstrafen: 2 (Bergmann 2x) - 3
Spielfilm: 3:0, 4:4, 4:7, 12:10, 13:12 (30.); 18:14, 20:21, 22:23, 25:23, 28:25 (60.)
Textquelle: "Die Harke"
